Insbesondere im Zusammenhang mit meiner Wahl in den SPD-Landesvorstand Brandenburg im Jahr 2006 und mit meiner Ernennung zur Landesministerin in Brandenburg im Jahr 2009 veröffentlichten einige Zeitungen längere Texte über mich:

Gespräch mit dem Web-Blog glutenfreiheit.org, August 2011

Portrait Lausitzer Rundschau, Mai 2010

Portrait Berliner Zeitung, Dezember 2009

Portrait Märkische Allgemeine, Dezember 2009

Interview Märkische Allgemeine, Dezember 2009

Portrait Berliner Zeitung, Februar 2009

Vier Fragen, Fraktion aktuell August 2008

Portrait Spiegel spezial, Januar 2008

Gespräch RBB-Inforadio, Juli 2006  

Portrait taz, Juni 2006  

Portrait Bild-Zeitung, Juni 2006

Portrait Berliner Morgenpost, Mai 2006

Portrait Berliner Zeitung, Februar 2006

Portrait Cicero, August 2006


Kein Grund, in Panik zu verfallen

(Gespräch mit dem Web-Blog glutenfreiheit.org vom August 2011)

 

Wann wurde Zöliakie bei Ihnen diagnostiziert?
Zöliakie wurde bei mir vor 18 Jahren diagnostiziert nach der Geburt meines zweiten Sohnes - Probleme hatte ich aber schon lange davor.

Was war Ihre erste Reaktion?
Meine erste Reaktion war einerseits Erleichterung, dass ich endlich wusste, was mit mir los war und andererseits hatte ich aber auch den Eindruck, dass mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde und ich keine Ahnung hatte, wie man ohne Mehl leben kann - ich bin dann als nächstes ins Reformhaus gegangen und habe mir alles gekauft, was es da an glutenfreien Produkten gab- das war damals sehr viel weniger als heute! Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber gleichzeitig stieg meine Motivation, mich da richtig reinzuknieen, da es mir mit Beginn der Diät schlagartig besser ging.

Welches glutenhaltige Produkt vermissen Sie am meisten?
Leider weiß ich ja, wie gut "echtes" Brot schmeckt! Am meisten vermisse ich Vollkornbrot und Brötchen, aber auch Pizza oder "richtige" Nudeln, v.a. Vollkornprodukte - aber mit der Zeit wird man schon "tapfer" und freut sich über die mittlerweile große Auswahl an Produkten - das Brotessen habe ich mir aber doch etwas abgewöhnt...

Wie gehen Sie heute mit der Krankheit um?
Heute gehe ich ziemlich entspannt mit der "Krankheit", die für mich keine ist, um. Ich weiß, was ich essen kann, nur wenn ich unterwegs bin, muss ich daran denken, mir etwas mitzunehmen. Ansonsten lebe ich so, als ob ich keine Zöliakie hätte und fühle mich völlig gesund. Es gab bei mir nochmal eine Neuauflage des Umgangs mit der Krankheit, als bei meiner 13-jährigen Tochter ebenfalls Zöliakie diagnostiziert wurde. Da waren wir beide etwas selbstmitleidig - mittlerweile merken wir aber auch, dass es durchaus Vorteile hat, wenn wir für uns beide separat kochen oder miteinander etwas teilen, was exklusiv für uns ist.

Was raten Sie Frischdiagnostizierten?
Ich würde Menschen mit der neuen Diagnose sagen, dass es in jedem Fall gut ist, zu wissen, was mit dem eigenen Körper los ist. Und dann gibt es nicht den geringsten Grund, in Panik zu verfallen. Man muss sich etwas umstellen und sich mit Ernährung gründlich beschäftigen. Das ist aber alles sehr gut machbar und nach kurzer Zeit hat man die Grundregeln fest im Griff. Und die absolute Motivation und Belohnung ist die, dass man sich mit Diät wieder gut fühlt und praktisch gesund und leistungsfähig ist! 

 

Quelle: http://glutenfreiheit.org/interviews/martina-muench

 


Geburtshelferin für Cottbuser Ideen

(Portrait in der Lausitzer Rundschau vom 19.05.2010)

 

Ihren Schreibtisch kann man nicht anders als schlicht nennen, das Büro ist spartanisch und nichts deutet darauf hin, dass hier – zumindest ab und an – eine leibhaftige Landesministerin arbeitet.

Martina Münch, SPD, ist seit sechs Monaten Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg. In der Cottbuser Stadtpolitik ist sie allerdings schon seit mehr als einem Jahrzehnt aktiv - und genau das spiegelt sich wider, wenn sie sich einen »Heimattag« in ihrem Bürgerbüro reserviert. Die Liste derer, die mit ihr sprechen wollen, ist lang. Von morgens um 9 Uhr bis weit nach 21 Uhr ist der Terminkalender eng bedruckt und selbst die kleine Mittagspause wird im Laufe des Tages noch auf eine schnelle Scheibe Brot am Schreibtisch schrumpfen. Was aber erwarten die Besucher? Wollen sie die Ministerin sprechen? Die Cottbuser Wahlkreisabgeordnete? Oder einfach eine alte Weggefährtin?

Der erste Gast scheint ministeriale Unterstützung zu brauchen. Hermann Borghorst, Chef der Wirtschaftsinitiative Lausitz und des Fördervereins der BTU, sucht das Vieraugengespräch, um seine Ideen für die Lausitz an die Frau zu bringen. Ihm folgt Christiane Hipp, Professorin der Uni. Sie ist ein Gast, mit dem sich Martina Münch schon vor vielen Monaten verabredet hatte: die beiden eint ihr Interesse am unternehmerischen Potenzial der weiblichen Führungskräfte in der Lausitz. Hipp berät an ihrem Lehrstuhl Existenzgründerinnen und bietet Coaching für Firmeninhaberinnen an. Ein Thema, das die Ministerin interessiert. »Was genau belastet die Frauen, wie kann ihnen geholfen werden, welche Netzwerke existieren?« Da werden schnell Namen hin und hergereicht, Fakten ausgetauscht, schnelle Geburtshilfe für Ideen. Das Gespräch ist präzise, lösungsorientiert und schafft im Zeitplan eine zehnminütige Reserve, die Münch zum Aktenstudium nutzt.

Dann die nächste Besucherin, mit einem Geschenk in der Hand. Ramona Franze-Hartmann, Leiterin der Cottbuser Freiwilligenagentur. »Frau Münch hat uns seit mehr als zehn Jahren zur Seite gestanden und die Idee für die Agentur mit aus der Taufe gehoben, dafür wollen wir uns heute nur bedanken«, sagt die engagierte Geschäftsführerin. Und kommt dann doch mit einigen Sorgen: Die Finanzierung der Freiwilligenagentur muss neu strukturiert werden, es gibt Kommunikationsprobleme in der Verwaltung. »Kleinigkeiten, die unnötig aufhalten.« Martina Münch verspricht Hilfe. Wie auch ihrem nächsten Gast.

Wilfried Zech hat in der RUNDSCHAU von der Bürgersprechstunde gelesen und sich gleich auf den Weg gemacht. Er lebt mit seiner Frau in einer GWG-Wohnung am Lindenplatz und hat Probleme mit der Belüftung. »Da unsere Küchen und Bäder keine Fenster haben, ist an unseren Balkonen eine Zwangsbelüftung eingebaut, die ständig für Frischluftzufuhr sorgt.« Bei ihm sei die Luft aber nicht frisch, sondern nikotinverseucht - alle Nachbarn würden auf ihren Balkonen rauchen, der Qualm würde so in seine Räume dringen. »Meine Frau wollte schon ins Jenseits deswegen«, sagt der verzweifelte Mann, und die Politikerin verspricht wieder: »Ich kümmere mich drum.«

Münchs Mitarbeiterin Bettina Handke klopft. »Der nächste Besucher wartet, Du müsstest auch noch zwei Grußkarten schreiben, da wäre noch eine telefonische Anfrage - vielleicht verzichten wir heute auf die Mittagspause und ich hole schnell ein belegtes Brot?«

Anschließend steht eine junge Frau vor der Ministerin, die gerade erst ihr Studium beendet hat und mit der ersten Stelle eine Aufgabe übernommen hat, die Martina Münch seit Jahren am Herzen liegt: Claudia Lehmann ist Koordinatorin für das neugegründete Cottbuser Netzwerk für Gesunde Kinder, möchte sich vorstellen und hat natürlich auch gleich eine Bitte. »Wir brauchen noch jemanden, der unser Anliegen nach außen vertritt. Es wäre super, wenn Sie das machen könnten, Frau Münch, als Schirmherrin sozusagen.« Eine Bitte, die Martina Münch gern erfüllt. Das Netzwerk liegt ihr am Herzen, für sein Gelingen will sie sich gerne einsetzen. »Das ist das schöne an meiner Arbeit, das man manchmal so tolle Aufgaben übertragen bekommt.« Sie freut sich - und wartet auf die nächsten Besucher.

 

Autorin: Andrea Hilscher
Quelle: http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Geburtshelferin-fuer-Cottbuser-Ideen;art1049,2914965

 


 

Das Geheimrezept der Geburtstagstorte

(Portrait in der Berliner Zeitung vom 23.12.2009)

 

Martina Münch aus Cottbus ist siebenfache Mutter. Und neuerdings auch noch Ministerin.

Die Familie hat einen besonderen Klingelton. Wenn Martina Münch in einer wichtigen Besprechung sitzt, eigentlich nicht an ihr Handy gehen kann und der Familien-Ton zum zweiten Mal bimmelt, wird sie unruhig. Dann nimmt sie den Anruf wenn irgend möglich doch entgegen. Neulich war das wieder so. Am anderen Ende wollte der achtjährige Benjamin einfach nur dringend erzählen, dass er eine Eins in Mathe geschrieben hat. "Das ist dann völlig in Ordnung. Ich habe mich richtig gefreut." Seit dem 6. November ist die 48-jährige Ärztin Brandenburgs neue Ministerin für Hochschule, Wissenschaft und Kultur. Zwei Tage vor Weihnachten sitzt sie bis in den Abend in der ersten Haushaltsklausur des Kabinetts fest. Ihre sieben Kinder müssen seit Wochen noch öfter zum Handy greifen, wenn sie mit ihrer Mutter reden wollen.

"Mama, wir schaffen das"

Die fünf Jungen und zwei Mädchen - der jüngste ist erst fünf Jahre alt, der älteste 18 - leben mehr als 150 Kilometer von Potsdam entfernt im heimischen Wohnhaus in Cottbus. Münch weiß noch nicht so genau, wie gut das funktioniert. Es ist alles noch neu. Aber das organisatorische Grundgerüst steht.

Seit 2004 ist die gebürtige Heidelbergerin Abgeordnete in Potsdam, stieg dort zur stellvertretenden SPD-Vorsitzenden auf. Als sie jetzt auch noch ins rot-rote Kabinett aufrückte, hat ihre Großfamilie das geschlossen unterstützt. "Die Kinder sind auch ein bisschen stolz auf mich", sagt Münch. Und Gesine, die 14-Jährige, hat ihr Mut gemacht: "Mama, wir schaffen das."

Schon lange beschäftigt Familie Münch eine Haushaltshilfe. Die kommt gegen Mittag ins Haus, holt am Nachmittag den fünfjährigen Felix von der Kita ab und ist da, wenn die anderen Kinder aus der Schule kommen. Meist bleibt sie, bis Vater Jürgen eintrifft. Oder bis die Größeren die Aufsicht übernehmen. Die Familie hat feste Regeln aufgestellt. Immer muss klar sein, wer wann zu Hause ist. Vorhaben sind zu besprechen. "Meine Kinder sind nie allein", sagt Münch. "Und sie sind sehr selbständig." Auch die Mutter kling ein bisschen stolz.

Münchs Ehemann geht zwar auch nicht gerade einem familienfreundlichen Beruf nach. Er ist Chefarzt am Cottbuser Karl-Thiem-Klinikum. "Aber er hat Wort gehalten", sagt Martina Münch. Lange war sie vor allem für die Familie zuständig. Wegen der Kinder gab sie ihre Stelle als Ärztin in Berlin auf, folgte ihrem Mann, als er 1995 aus beruflichen Gründen nach Cottbus wechselte. Damals versprach er, auch einmal zurück zu stecken, wenn es um ihre Karriere geht. Jetzt liegt die Organisation des Alltages eher in seiner Verantwortung.

Aber es gibt auch Grenzen. Unlängst hat ihr Mann sie um das Geheimrezept für die im Hause Münch traditionelle Geburtstagstorte gebeten, eine hochgestapelte Quark-Sahne-Kreation. Da wurde Martina Münch etwas verstockt. "Es gibt bestimmte Dinge, die sind der Mutter vorbehalten." Das Rezept hat sie für sich behalten. Irgendwann will sie es ihren Töchtern verraten.

Überhaupt, das von der ganzen Familie geliebte Geburtstagsritual. Im Hause Münch ist es üblich, dass alle neun an diesen Tagen nachmittags zur Kaffeetafel zusammen kommen. Es wird gesungen, das Geburtstagskind in die Luft gehoben. "Ob ich das in Zukunft immer schaffe?" denkt Martina Münch einen Moment laut nach. Sie beschließt, die Termine in ihrem Bürokalender sofort blocken zu lassen.

Früher, als Abgeordnete, war sie flexibler. Da verbrachte sie manche Tage in ihrem Cottbuser Wahlkreis und konnte auch öfter zu Hause sein. Jetzt wird es, wenn alles gut geht, mindestens 20 Uhr - oft später. Manchmal sind nur noch die Großen wach. Die Hektik wird bis Heiligabend andauern, den die Familie gemeinsam in Cottbus verbringt. Die Geschenke hatte Martina Münch eine Woche vor dem Fest noch nicht beisammen.

Natürlich plagen auch die Neu-Ministerin diese Anflüge von schlechtem Gewissen, die wohl alle berufstätigen Mütter heimsuchen. Und die in einem schwierigen Spannungsfeld stehen zu dem Ehrgeiz, sich von niemandem vorhalten lassen zu wollen, wegen der Familie beschränkt einsatzfähig zu sein. Dennoch wirkt Martina Münch erstaunlich entspannt. "Es muss gelingen, sich das Gefühl für die Kinder zu bewahren. Womit sie gerade Probleme haben. Ob alles in Ordnung ist, oder nicht. Und das habe ich." Dabei können auch die variablen Klingeltöne der Handys überaus hilfreich sein.

 

Autorin: Andrea Beyerlein
Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1223/brandenburg/0022/index.html

 


 

Keine Vorzeigemutti

(Portrait in der Märkischen Allgemeinen vom 19.12.2009)

 

Kulturministerin Martina Münch hat sieben Kinder und einen Workaholic zum Mann. Aber sie ist sich sicher, dass ihre Abwesenheit zu Hause ganz gut verkraftet wird.

Eine Familie mit sieben Kindern im Alter zwischen fünf und 18 Jahren - das allein schon wäre Stoff für eine Magazingeschichte. Wie kommen die Eltern über die Runden? Wissen die im Alltag, wo ihnen der Kopf steht? Bei Familie Münch aus Cottbus-Branitz liegen die Verhältnisse noch verschärfter. Martina Münch hat vor fünf Wochen das Ministeramt für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Potsdam angetreten. Die siebenfache Mutter gilt als Antwort der SPD auf CDU-Bundesministerin Ursula von der Leyen.

Die beiden haben in der Tat nicht nur die Zahl der Kinder gemein, sondern jeweils
auch einen Politiker als Vater und einen Mediziner zum Mann. Sie selbst haben Medizin studiert und einige Jahre im Arztberuf gearbeitet. Doch Martina Münch möchte sich im Amt nicht als Vorzeigemutti profilieren. "Dass ich sieben Kinder habe, ist meine private Entscheidung und kein politisches Programm."

Sie hat das Talent, Strukturen vorzugeben
Nun gut, könnte man denken, die Last ihres modernen Familienalltags trägt eben der Partner. Doch weit gefehlt. Der Kardiologe und Internist Jürgen Krülls-Münch ist ebenfalls ein Workaholic. Für den Chefarzt kam eine Vaterzeit gar nicht in Frage. "Er ist so sozialisiert, die Familie zu ernähren. Es ist schwer zu akzeptieren, dass die Männer so ticken", hadert die 48-Jährige mit ihrem Mann. Sie schickt ihn nicht einmal gern zu Elternabenden, "weil er die Informationen nicht richtig weitergibt".

Wohl bemerkt: Sieben Kinder, das bedeutet sieben Elternabende, sieben Weihnachtsfeiern, Musikschul-Vorspiele, Arzttermine usw. Vom Zuspruch, den ein jedes Kind braucht, ganz zu schweigen. Hat Martina Münch schon Winterschuhe für alle besorgt? "Oh, das ist ein ganz heikles Thema. Das habe ich schon mal vergeblich im Internet versucht. Das Problem löst nur ein Großeinkauf am Samstag."

Ihr Mann findet es aber gut, betont die dunkelblonde Frau, dass sie Ministerin geworden ist. "Er hat mich unterstützt, weil er weiß, dass ich viele Jahre beruflich
für die Kinder zurückgesteckt habe", sagt Martina Münch.

Sie wirkt entscheidungsfreudig und taff, deshalb aber nicht kühl. Man traut es ihr auf Anhieb zu, dass sie das Talent hat, Strukturen vorzugeben. Ihre Sprösslinge hat Martina Münch alle mindestens ein Jahr gestillt. Mit 29 wurde sie zum ersten Mal schwanger. Nach einem Jahr wollte sie eigentlich als Neurologin weiterarbeiten. Doch dann kam ein Kind nach dem anderen, geplant war der Segen nicht. Mittendrin erfolgte dann noch der Umzug von Heidelberg - zunächst nach Berlin, dann 1995 nach Cottbus, wo ihr Mann die leitende Stelle im Cottbuser Klinikum angeboten bekam.

Natürlich möchte sie weder Benno, Moritz, Gesine, Nele, Valentin, Benjamin oder Felix missen. Als sie zum fünften Mal schwanger wurde, war ihr das sogar peinlich, da sie gerade kandidiert hatte. "Zwei Tage nach der Entbindung saß ich dann im
Parlament." Bevor sie 2004 und 2009 direkt in den Brandenburger Landtag
gewählt wurde, war sie Stadtverordnete in Cottbus.

Der akkurat geschminkten Politikerin ist es sehr wichtig, zu betonen, dass sie
den Osten Deutschlands für fortschrittlicher hält, weil es hier mehr Kinderbetreuungseinrichtungen gibt. "Kinder und Beruf - das war hier normal", sagt sie.
Dass in der DDR mehr als 90 Prozent der Frauen gearbeitet haben, weil die
Industrie weniger automatisiert war und eine Normalfamilie mit einem Gehalt
oft nicht auskam, spricht sie von sich aus nicht an. Als Westdeutsche kennt sie eine andere Kehrseite. Der Lebenshorizont vieler Hausfrauen schien ihr verengt.
"Ich finde es langweilig, nur zu fragen, was essen wir heute zu Mittag, wann werden die Betten abgezogen?"

Sie selbst wurde mit sieben Jahren Halbwaise. "Meine Mutter ist gestorben, das
war für uns drei kleine Kinder zu Hause schon traumatisch." Ihr Vater war selten daheim. Er hatte eine Notarkanzlei, pendelte obendrein über 20 Jahre regelmäßig als SPD-Landtagsabgeordneter nach Stuttgart. "Aber ich konnte ihn immer anrufen und habe mich sehr behütet gefühlt, obwohl das so war", sagt sie. Er hat dann noch einmal geheiratet und die neue Frau schlüpfte in die klassische Hausfrauenrolle.

Martina Münch möchte ihren Töchtern vorleben, dass es anders geht. Wenn beide Elternteile so verantwortungsvolle Positionen bekleiden, braucht es Beistand im Haushalt. Martina Münch hat etwa sechs Stunden täglich eine Hilfe angestellt. Dass ihr kleiner Sohn aus dem Kindergarten abgeholt wird, dafür ist also gesorgt. Dass sich solch ein Leben nur Besserverdienende leisten können, will sie nicht gelten lassen. "Durch die Musikschule kenne ich einen Busfahrer, der sechs Kinder hat und dessen Frau auch teilweise arbeiten geht."

Wenn man sie nun fragt, wer ihre Kinder eigentlich erzieht, sagt sie selbstbewusst: "Da sind schon die Eltern gefragt. Kinder akzeptieren das gar nicht, sich von anderen Leuten erziehen zu lassen."

Die Anrufe der Kinder hellen den Alltag ein bisschen auf
"Meine Kinder wissen, sie können mich immer anrufen, ich bin jederzeit ansprechbar." Martina Münch erkennt es schon am Klingelton, wenn sie dran sind. "Manchmal wollen sie nur erzählen, dass sie am Fahrrad einen Platten haben." Das helle den Alltag auch ein bisschen auf. "Geht es mal nicht, sage ich, ruft später an oder wir können heute abend reden."

Wenn sie mal unverhofft schon am Nachmittag zu Hause reinschneit, kenne sie sogar das Gefühl, die Kinder zu stören. Doch das wird in den nächsten Monaten und Jahren immer seltener der Fall sein. Als Ministerin und Vize-Chefin der Landes-SPD ist Martina Münch eine vielgefragte Frau. Viele Termine sind gesetzt: Kabinettsitzungen, Parteivorstandssitzungen oder die Kultusministerkonferenz der Länder kann sie nicht versäumen. Aber sie wird wählen müssen, was wichtiger ist: die Zuwendung, die ein Kind gerade braucht oder ihre Repräsentationspflicht, die Eröffnung einer Ausstellung oder Tagung? Schon allein das Hin und Her zwischen Cottbus und Potsdam in der schwarzen Limousine der Landesregierung kostet sie am Tag drei Stunden.

"Es ist mir wichtig, die Kinder morgens, bevor sie zur Schule gehen, noch mal zu sehen." Alle besuchen staatliche Schulen. "Neun Uhr bin ich dann im Ministerium, zehn, zwölf Stunden sind es oft." Sie will sich in der Landeshauptstadt ein Zimmer nehmen, wenn es mal sehr spät wird.

Bleibt also das Wochenende für das Familienleben? "Es wird sich nicht vermeiden
lassen, dass auch Samstag, Sonntag mal was ist. Das Amt erfordert viel Präsenz." Sonntags besucht sie mit ihrer Familie gern die katholische Messe. So schön Familienrituale seien, keines ihrer Kinder werde verdonnert, mit in die Kirche zu gehen.

Fragt sich, ob sie als Katholikin in der derzeitigen Situation etwas tut, um ein achtes Kind zu verhindern? "Ich habe mir noch nie vom Papst in meine persönliche
Lebensplanung reinreden lassen", antwortet sie entschieden. "Was die Bischöfe verlautbaren, das ist weit entfernt von der Lebenswirklichkeit der Frauen und Familien."

Natürlich plagt sie manchmal ein schlechtes Gewissen. Gerade nach einem Familienurlaub fällt es ihr schwer, in den Alltag zurückzukehren. Warum tut sie sich das Ganze überhaupt an? "Ich brauche das, um auch für die Kinder wieder Kraft zu haben. Niemandem ist damit gedient, wenn ich frustriert bin. Vielleicht spüre ich wegen meiner Kinder die Verpflichtung so stark, für andere tätig zu sein." 

 

Autor: Karim Saab
Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11686659/1174144/Keine-Vorzeigemutti.html

 


"Es genügt nicht, nur in Beethoven-Sinfonien zu schwelgen" - Interview aus der "Märkischen Allgemeinen" (12. Dezember 2009)


Wie tickt die neue Kulturministerin? Was sind ihre Vorlieben? Die Fragen stellte Karim Saab.
MAZ:
Sie spielen Klavier. Welcher Komponist ist Ihnen am nächsten?
Martina Münch: Ich höre sehr gerne Brahms, auch Mendelssohn und Mahler. Ich bin ein großer Opernfreund, mag Wagner-Opern, aber durchaus auch moderne Kammermusik. Wir haben in Cottbus eine sehr schöne Reihe von philharmonischen Konzerten. Unser Generalmusikdirektor hat es sich zum Ziel gesetzt, bei jedem Konzert auch ein Stück zeitgenössische Musik einzufügen. Am Anfang hat sich das Publikum gewehrt. Mittlerweile findet moderne Musik Akzeptanz. Es genügt nicht, nur in Beethoven-Sinfonien zu schwelgen. Man muss sich auch mit zeitgenössischen
Ausdrucksformen auseinandersetzen.

MAZ:Wird man Sie bald neben Frau Merkel in entsprechender Garderobe in Bayreuth
erleben?

Münch: Ich glaube kaum! Ich hatte allerdings schon mehrfach das Glück, Karten für die Festspiele zu erhalten. Nach Bayreuth geht man nicht wegen der Garderobe. Der internationalen Wagner-Gemeinde geht es wirklich um Musik. Ich habe selten ein so musikverständiges Publikum getroffen. Die Aufführungen sind überwältigend.

MAZ: Schlägt Ihr Herz für Regietheater?
Münch: Mir ist klassische Literatur wichtig, aber entscheidend ist die Frage, wie es dem Theater gelingt, die Menschen zu erreichen und ihre Lebenswirklichkeit zu spiegeln. Wie kann ich etwa Sophokles so inszenieren, dass die Grundprobleme, die vor mehr als 2000 Jahren beschrieben wurden, auch uns heutige Menschen erreichen? Mutlose historisierende Inszenierungen können da nicht die Antwort sein.
Mich erfüllt mit Sorge, dass das Theaterpublikum zunehmend älter wird. Die jungen Menschen und ihre Jugendkultur dürfen nicht ausgeblendet werden. Sie sind mit ganz anderen Medien konfrontiert, leben teilweise in virtuellen Welten und haben ein ganz anderes kulturelles Konsumverhalten als die Eltern- und Großelterngeneration. Jeder Generation muss es immer wieder aufs Neue gelingen, Sophokles oder Goethe zu vermitteln.

MAZ: Der Brandenburger Landtag wird in ein Schloss ziehen. Hätten Sie einen Neubau bevorzugt?
Münch: Jede Zeit muss ihre zeitgemäßen Antworten und eine zeitgemäße Ästhetik finden. Es ist keine Lösung, Gebäude, die nicht mehr existieren, wie ein Märchenschloss wiederzuerrichten. Das ist die Form- und Zeichensprache eines vergangenen Zeitalters, die wir als sehr harmonisch und schön empfinden können, die uns aber nicht davon entbindet, eigene Antworten zu finden. Deswegen war ich dagegen, das Potsdamer Schloss detailgetreu wieder aufzubauen. Mit der Lösung, die jetzt gefunden wurde, kann ich gut leben: In der ursprünglichen Kubatur wird ein Funktionsbau mit historischen Bezügen errichtet, ein Parlament für die Bürger, kein Preußenschloss.

MAZ: Kennen Sie positive Beispiele zeitgenössischer Architektur im Land?
Münch: Das Hans-Otto-Theater, das IKMZ in Cottbus und das Dieselkraftwerk, ein Industriebau, der für die Bedürfnisse eines modernen Museums umgestaltet wurde. 

 

Interview: Karim Saab
Quelle:
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11686660/1174144/INTERVIEW-Martina-Muench-Es-genuegt-nicht-nur-in.html

 
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Brandenburgs Vorzeigemutter

(Portrait in der Berliner Zeitung vom 23.02.2009)

Martina Münch sagt das, was sie sagen muss: "Regierungsposten sind jetzt überhaupt noch kein Thema für uns." Tatsächlich hat die Spitze ihrer Partei, die Brandenburger SPD, am Wochenende lediglich die Listen der Abgeordneten-Kandidaten für die Landtagswahlen am 27. September beschlossen. Die 47-jährige Ärztin und siebenfache Mutter steht auf Platz zwei - gleich hinter Ministerpräsident Matthias Platzeck. Nicht mehr und nicht weniger.

Als Anwärterin auf ein Ministeramt - für Gesundheit und Familie etwa - wird Martina Münch in der SPD schon länger gehandelt. Vieles spricht dafür, dass es nach den Wahlen soweit sein könnte.

Dabei mischt die gebürtige Heidelbergerin erst seit 2004 in der Landespolitik mit. Damals waren schwierige Zeiten für die seit der Wende in Brandenburg regierenden Sozialdemokraten. Nach dem aufgeheizten Hartz-IV-Wahlkampf ging die SPD nur knapp vor der Linkspartei ins Ziel. In Cottbus aber holte Martina Münch, die Zugezogene, einen von 17 direkt gewonnenen Wahlkreisen. Sie hatte sich zuvor als Kommunalpolitikerin einen Namen gemacht, wie als Mitinitiatorin des "Cottbuser Aufbruchs" gegen Rechtsextremismus.

Seither hat Münch eine atemberaubende Parteikarriere absolviert: Ausschussvorsitz für Wissenschaft und Kultur, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Vize-Parteichefin. Nicht, dass sie nach vorne drängte. Sie gilt vielmehr als sach- und lösungsorientiert. In der mit profilierten Köpfen, zumal weiblichen, nicht eben üppig ausgestatteten märkischen SPD kamen die Ämter immer zu ihr.

Das war auch so, als die SPD 2006 händeringend einen Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt in Cottbus suchte. Weil sich niemand fand, erklärte sich die Ärztin bereit. Als "Brandenburgs Ursula von der Leyen" wurde sie überregional wahrgenommen. Man erfuhr, dass bei den Münchs - der Ehemann ist Chefarzt im Cottbuser Klinikum - eine Hausangestellte bei der Bewältigung des Alltags hilft. Als sich in Cottbus ein erstaunliches Bündnis von CDU bis Linkspartei auf einen konkurrierenden Kandidaten einigte, schickte die SPD doch lieber den damaligen Verkehrsminister Frank Szymanski ins Rennen. Auch in der SPD fanden einige, dass die Führungsriege nicht allzu fein mit Münch umging. Sie selbst hat sich nie beklagt.

Diese Loyalität hat ihr Ansehen im SPD-Führungszirkel um Platzeck - und die Chancen auf ein Ministeramt - nur erhöht. Martina Münch sagt dazu nur: "Ich sehe das ganz entspannt und gelassen."

 

 

 

 


Vier Fragen an Martina Münch - Portrait aus "Fraktion Aktuell" der SPD- Fraktion im Landtag (August 2008)

Dr. Martina Münch ist seit 2004 direkt gewählte SPD- Abgeordnete aus Cottbus. Die Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses, gesundheits- und religionspolitische Sprecherin ist auch Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Cottbus.

Für die SPD engagiere ich mich, weil...

...Ungerechtigkeit mich schon als Schülerin empört hat. Seither erfahre ich immer wieder aufs Neue, dass soziale Gerechtigkeit, Bürgerrechte und Demokratie nicht vom Himmel fallen.
Sie wurden schwer erkämpft und müssen immer wieder neu gegen Gedankenlosigkeit, Marktradikalismus und Demagogie verteidigt werden.

Wenn ich Königin von Deutschland wäre, würde ich...
...mit sofortiger Wirkung Vorurteile, Dummheit und schlechte Laune verbieten.

Für politisch gefährlich halte ich...
...geistige Bequemlichkeit, die nicht bereit ist, sich mit komplexen Fragestellungen zu beschäftigen und darum einfachen Parolen - bis hin
zu Vorurteilen, Intoleranz und Rechtsextremismus - auf den Leim geht.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme...
...schaue ich als erstes nach meinen Kindern. Den jüngeren lese ich vor oder singe mit ihnen, mit den älteren spreche ich über die Erlebnisse des Tages, höre zu und lasse den Tag mit ihnen ausklingen.

 
 



Beruf als Überlebensprogramm

(Portrait im Spiegel spezial 1/2008 vom 26.02.2008)

Meine Kinder sind für mich das Wichtigste auf der Welt. Sie sind das Scharnier zwischen Vergangenheit und Zukunft. Nicht in dem Sinne, dass die Kinder das Produkt unserer selbst sind, sondern dass wir ihnen Wurzeln geben dürfen. Es mag widersprüchlich klingen, dass ich unter der Woche manchmal kaum eine Stunde Zeit pro Tag für die Kinder habe. Am Wochenende versuche ich, einen ganzen Tag zu Hause zu sein. Aber wir nutzen die wenige Zeit sehr intensiv mit den Kindern. Abends haben wir unsere Einschlaf- und Vorleserituale. Wenn das ausfällt, beschweren sich die Kinder.

Schwierig ist es mit den Hausaufgaben, die kontrolliere ich gelegentlich noch in der Nacht. Bei den Kindergeburtstagen kriege ich manchmal Ärger mit den Kollegen, wenn ich früher aus der Sitzung gehe, weil wir ab 16 Uhr mit der ganzen Familie zu Hause Torte essen.

Natürlich hat man immer ein schlechtes Gewissen als berufstätige Mutter, weil man fürchtet, dass die Kinder zu kurz kommen. Aber dann gucke ich mir Familienfotos an, lese, was meine Zwölfjährige in der Schreibwerkstatt schreibt, schaue, wie die Kleinen malen, höre, was Freunde und Erzieherinnen sagen, wie fröhlich die Kinder sind.

Wenn wir Urlaub oder Feiertage miteinander verbracht haben, fällt es mir schwerer, in meinen Alltag zurückzukehren, als den Kindern. Ich habe dann Sehnsucht nach ihnen und empfinde schmerzhaft, wie schnell die Zeit vergeht.

Ich war 29 und sehr glücklich in meiner Beziehung auch ohne Kinder, als ich das erste Mal schwanger wurde. Ich arbeitete als junge Ärztin an der Uni-Klinik in Heidelberg und wollte gerade zu einem Forschungsaufenthalt in die USA. Amerika haben wir dann sausen lassen. Ein Jahr blieb ich zu Hause. Das Kind war eine so große Bereicherung, dass ich dachte, es wäre schade, wenn es das einzige bliebe. Trotzdem habe ich sehr aktiv nach einer Stelle gesucht. Und bin gleich wieder schwanger geworden. Nach dem zweiten Sohn wollte ich gern noch eine Tochter. Kind Nummer vier und fünf kamen ziemlich schnell hinterher. Da war ich schon in die Politik gegangen.

Bei meinem fünften Kind saß ich zwei Tage nach der Entbindung wieder im Parlament, mit unserem jetzt Dreijährigen war ich mitten im Landtagswahlkampf. Auch wenn es mich emotional manchmal fast zerriss, wusste ich, es ist für mich und das Kind besser so, als wenn ich mich nur in der Mutterrolle erschöpfe.

Das Muttersein ist großartig, trotzdem gibt es noch eine andere Dimension. Man ist ein eigenständiger Mensch, hat Aufgaben außerhalb der Familie. Sicher kann man das Berufliche zeitweise zurückstellen. Aber man kann doch heute seine Töchter nicht mehr auf ein Leben vorbereiten, in dem das Ziel ist, zu Hause zu sein und die Kinder zu hüten.

Es ist weniger Selbstverwirklichung als Überlebensprogramm, ein anderes Leben außerhalb der Kinder zu haben. Wenn man mehrere kleine Kinder hat und lange stillt und nachts wenig Schlaf bekommt, saugen einen die lieben Kleinen auch aus. Sobald ich aktiv ein eigenes Leben dagegensetzte und zeigte, ich brauche das, um für euch wieder Kraft zu haben, ging es mir besser. Die Größeren sagen inzwischen selbst, dass es ihnen lieber ist, wenn ich meine Arbeit mache und mich dann umso mehr freue, mit ihnen zusammen zu sein. Ebenso gut tut es mir, wenn ich beruflich frustriert bin, in die Familie einzutauchen.

Hilflos fühle ich mich, wenn Frauen, die zu Hause bleiben, eine Art vergifteter Bewunderung ausdrücken. Wie toll ich das hinkriege und wie ich das schaffe, mit den vielen Kindern und so - da denk ich immer: Soll ich jetzt sagen, mir geht's auch ganz schlecht? Andererseits will ich der Frau nicht signalisieren, dass ich ihren Lebensentwurf für verkürzt halte. Frauen müssen Frauen Mut machen. Man traut sich selbst immer weniger zu, wenn man nur zu Hause ist. Gartenarbeit, Bio- und Vollwertkost, Brot backen, Babys mit Baumwollwindeln wickeln - das hab ich auch alles mal gemacht. Bei mir blieb eine innere Unausgefülltheit.

Dieses wirklich Schöne, Wunderbare mit den Kindern kann ich umso stärker erleben, wenn es noch eine weitere Dimension in meinem Leben gibt. Dafür bin ich dankbar, und es ist mir wertvoller, als wenn Haushalt und Kinder mein tägliches Muss wären.

PROTOKOLL: BETTINA MUSALL - Martina Münch ist stellvertretende Landesvorsitzende der SPD Brandenburg. Die Ärztin, 46, hat mit ihrem Mann sieben Kinder im Alter zwischen 3 und 16 Jahren.

Quelle: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=55972862&top=SPIEGEL
Bereits im Spiegel Spezial 4/2007 wurde Martina Münch als Beispiel einer berufstätigen Mutter geführt: "Ein Haus voller Kinder" unter http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=52494007&top=SPIEGEL




Die Super- Mutter von der SPD

(Gespräch im RBB-Inforadio vom 04.07.2006)

Martina Münch gehört seit dem letzten Wochenende zur Parteispitze der Brandenburger SPD - der Parteitag hat die Landtagsabgeordnete aus Cottbus zu einer der Stellvertreterinnen von Parteichef Matthias Platzeck gewählt.

Seit ihrer Nominierung für dieses Amt war immer wieder auch das Privatleben von Martina Münch Thema - nicht, weil dort Skandale lauern, sondern weil sie 7 Kinder hat.

Alex Krämer vom Inforadio Berlin- Brandenburg hat am 04.07.2006 in der Sendung " Vis à vis, " mit Martina Münch gesprochen. Das Gespräch ist hier im Original zu hören.




Eine Frau auf dem Sprung

(Portrait in der tageszeitung, 30.06.2006)

AUS COTTBUS. Martina Münch hatte Angst, eine dieser Mütter zu werden, die zwischen Aufopferung und dem Anspruch, alles perfekt zu machen, frustriert auf der Strecke bleiben. Die Ärztin war mit zwei Kindern und ihrem Mann, einem Herzspezialisten, von Berlin nach Cottbus gezogen. Er hatte dort einen lukrativen Job bekommen. Und sie, wieder hochschwanger, kümmerte sich ausschließlich um die Kinder, sie, die Neurologin, die in Hamburg, London und den USA studiert hatte und viele Jahre am Berliner Virchow-Klinikum gearbeitet hatte. Würde sie als Vollzeitmutter unzufrieden, verbittert, "balla-balla" werden?

Sie sitzt mit knielanger Hose und ärmelloser Bluse, nur die Lippen hellrosa geschminkt, auf der der Terrasse ihres Hauses in Cottbus-Branitz, in einer ruhigen Wohnsiedlung aus den 30er-Jahren. Die 44-Jährige hat die Beine auf dem Holzstuhl angewinkelt, sie wirkt entspannt und zufrieden. Balla-balla ist sie nicht geworden, obwohl sie seit ihrem Umzug in die Lausitz vor zwölf Jahren noch weitere fünf Kinder bekommen hat. Sie hat einen Ausspruch des Mediziners Rudolf Virchow umgesetzt. "Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen."

Statt ein Fernstudium in Germanistik, Geschichte und Philosophie zu machen oder wieder Klavier zu spielen, besuchte sie eine Sitzung des SPD-Ortsvereins. Mit 17 Jahren war sie in die SPD eingetreten. Jetzt, zwölf Jahre nach dem Umzug der gebürtigen Heidelbergerin nach Cottbus, ist sie Stadtverordnete der dortigen SPD, Landtagsabgeordnete und Sozialexpertin, Mitbegründerin eines Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus. Morgen soll die Ärztin und siebenfache Mutter in die Parteispitze des SPD-Landesverbandes aufsteigen. Auf dem Parteitag in Fürstenwalde soll sie einen der vier Stellvertreterposten von Landesparteichef und Ministerpräsident Matthias Platzeck bekommen. Ob damit einer der kleinsten Landesverbände der SPD im Osten an Bedeutung gewinnt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall hätten die Sozialdemokraten ihre Ursula von der Leyen.

Martina Münch fallen weitere Gemeinsamkeiten mit der CDU-Bundesfamilienministerin auf, wie sie Ärztin und siebenfache Mutter: "Wir sind beide Vatertöchter und unsere Väter waren beide Politiker." Doch für Martina Münch sind das nur "seltsame Zufälle". "Ich bin nicht die Supermutti der SPD!", sagt sie entschlossen und zieht die angewinkelten Beine fester an sich heran.

In der Landtagsfraktion, das sagt deren Sprecher, soll die siebenfache Mutter "nicht instrumentalisiert werden". Martina Münch habe von Anfang an ein großes soziales Engagement gezeigt, trete eigenständig auf und finde nicht alles gut, was der Koalitionspartner macht. Deshalb gelte ihre Wahl als sicher, auch wenn sie nicht alle kennen.

Martina Münch trägt - im Unterschied zu von der Leyen - ihre Kinderschar nicht wie ein Schild vor sich her. "Mir ist das zu platt", sagt sie und springt wie von der Tarantel gestochen auf. Eine Nachbarskatze hat sich im Gebüsch in einem Eichhörnchen verbissen, das erbärmlich jault. Wütend verscheucht sie die Katze. Trotzdem fände sie es reizvoll, sich einmal mit der Bundespolitikerin zu treffen. "Wer so viele Kinder hat und an so exponierter Position steht, das ist schon interessant." Und: Immerhin habe es von der Leyen geschafft, das Thema Familie so in den Mittelpunkt zu rücken, dass es nicht unbedingt mehr als anstößig gilt, viele Kinder zu haben. "In der allgemeinen Wahrnehmung gilt man als nicht ganz zurechnungsfähig, katholisch oder blöd", sagt sie.

Von der Leyen ist evangelisch, Martina Münch ist katholisch und nennt die Kinder einen Segen. Warum der Segen so zahlreich ausgefallen ist? Sie lacht. "Wenn ich etwas mache, dann richtig." Trotzdem hat sie nicht den Anspruch, perfekt zu sein. "Das kann man lernen. Vielen westdeutschen Frauen fällt das offenbar schwer." Nach zwölf Jahren in der Lausitz klingt Martina Münch, deren Kinder Lausitzer Dialekt sprechen und später zum Studieren vielleicht "nach drüben" gehen, wie eine Frau aus dem Osten: pragmatisch.

Nicht selten macht sie sich Vorwürfe, nicht genug Zeit für ihre Kinder zu haben. Für Benno, 14, Moritz, 12, Gesine, 11, Nele, 9, Valentin, 7, Benjamin, 4, und Felix, 2. "Aber wenn ich bei mir bin, profitieren auch die Kinder davon." Um die Arbeit im Bürgerbüro, im Stadtparlament, im Landtag und zu Hause zu schaffen, hat sie eine Haushälterin und eine Haushaltshilfe. Münch bedauert, dass für ihren Mann eine Vaterzeit nicht in Frage kam. "Er ist so sozialisiert, die Familie zu versorgen. Es ist schwer zu akzeptieren, dass Männer so ticken."

Es wird interessant sein zu sehen, welche Rolle Martina Münch in der Brandenburger Parteispitze spielen wird. Ihr Einstieg in die Kommunalpolitik war relativ leicht. Als sie bei den Cottbuser Genossen auftauchte, wurden gerade Kandidaten für die Stadtverordnetenversammlung gesucht. Angesichts der vielen älteren Herrschaften und ihres Interesses an einer Kandidatur wurde die promovierte Ärztin und damals vierfache Mutter aufgestellt. Als sie erneut schwanger wurde, war ihr das "total peinlich". Sie wollte am liebsten hinschmeißen. Doch ihr Mann ermunterte sie, weiterzumachen. "Ich dachte, ich kriege das Kind, werde nicht gewählt und spiele dann doch Klavier." Aber sie wurde gewählt. Zwei Wochen nach der Wahl kam das fünfte Kind zur Welt. Einen Tag nach der Geburt nahm sie an der konstituierenden Sitzung teil.

Was erhofft sich Ministerpräsident Platzeck von ihr als Stellvertreterin? Seine Antwort bleibt vage. "Martina Münch verbindet auf bewundernswerte Weise Job und Familie miteinander. Ihre Standfestigkeit und ihren Mut im Kampf gegen den Rechtsextremismus kann man nicht oft genug hervorheben."

Münch verhehlt nicht, dass sie sich auch für die Bundespolitik interessiert. "In großen Linien denken kommt in der Kommunalpolitik zu kurz." Deshalb wollte sie 2002 für den Bundestag kandidieren. "Ich wusste, ich habe keine Chance. Aber ich wollte einen Sprung wagen." Ein Kumpel aus der Braunkohle machte das Rennen. "In einer Volkspartei", sagt sie heute, "ob CDU oder SPD, braucht man auch Sitzfleisch und Beharrlichkeit, um weiterzukommen."

Beharrlich ist sie. Mitte Juni kürte die Cottbuser SPD sie zur Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl im Oktober, vorausgesetzt, der Bürgerentscheid am Sonntag zur Abwahl der derzeitigen parteilosen Oberbürgermeisterin findet eine Mehrheit.

Damit würde die Bundespolitik in weite Ferne rücken. Nicht aber ihr Interesse daran. Bundesfamilienministerin? Das wäre schon ein Amt, das sie reizen könnte. Die Familienpolitik der CDU nennt sie "eine rückwärtsgewandte Fürsorgepolitik". Das Elterngeld gehe zwar in die richtige Richtung, sei aber eine Klientelpolitik, die vor allem dem Mittelstand zugute komme. "Für die sozial Schwachen hat von der Leyen anscheinend wenig Gefühl." Die von der Familienministerin angestrebte Wertevermittlung durch die Kirchen kann sie auch nicht gutheißen. "Ich bin ein großer Verfechter von Kirche und Glauben. Aber wir leben in einer säkularen Welt." Sie hat damals Matthias Platzeck "klipp und klar gesagt", dass es ein Fehler der Bundespartei gewesen sei, nach den Neuwahlen der CDU das Familienressort zu überlassen.

Als Platzeck sie vor wenigen Wochen anrief und fragte, ob sie sich das Stellvertreteramt vorstellen könne, bekam Martina Münch einen Schreck und fragte sich "Hab ich was falsch gemacht?" Sie weiß, dass Platzeck sich gerne mit "Eigengewächsen", märkischem Urgestein, umgibt. Nachdem sie sich von dem Schreck erholt hatte, freute sie sich. "Ich sehe das als persönliche Anerkennung." Nun hofft sie, sich "an exponierter Position für Zukunftsthemen des Landes einsetzen zu können" und nicht auf Repräsentationszwecke beschränkt zu werden.

Im Mittelpunkt des morgigen Parteitages steht neben der Neuwahl des Landesvorstandes der familien- und bildungspolitische Leitantrag "Zukunft sichern - Familien stärken - Kinder fördern". Darin heißt es unter anderem, dass gerade jüngere, gut ausgebildete Frauen kein "Entweder-oder" wollen, sondern ein Leben mit Kind und beruflichem Fortkommen. Neulich stellte Platzeck sie dem Münchener Oberbürgermeister als siebenfache Mutter vor. "Oh Mann, muss der das sagen? Das ist doch keine Qualifikation." Das hat sie gedacht. Gesagt hat sie es nicht.

Autorin: Barbara Bollwahn
Quelle: http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2006/06/30/a0140

 




Hallo, ich bin die Super-Mami von der SPD

(Portrait in der Bild-Zeitung, 18.06.2006)

Martina Münch ist Ärztin und hat sieben Kinder. Sie sagt: „Frau von der Leyen und ich sind uns ähnlich"

Cottbus – Sie ist Ärztin, Mitte Vierzig und hat dunkelblonde Haare. Sie ist seit knapp 20 Jahren verheiratet, Mutter von sieben Kindern und Politikerin. Die Rede ist nicht von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), sondern von Martina Münch aus Cottbus. Die Landtagsabgeordnete soll am 1. Juli zur Stellvertreterin von Brandenburgs SPD-Chef Matthias Platzeck gewählt werden. Damit hat jetzt auch die SPD ihre Super-Mami! Sie selbst sagt: „Natürlich würde ich mich freuen, wenn sich politisch noch mehr ergeben sollte, aber ich plane das nicht.“

Den Vergleich mit der berühmten Ministerin hört Münch nicht ungern: „Ich glaube, Frau von der Leyen und ich sind uns ähnlich: Die Familie gibt uns eine enorme Kraft und Lebensfreude. Man ist dadurch fest im Leben verankert und bewahrt sich eine positive Grundhaltung.“ Sie fügt hinzu: „Ich habe großen Respekt vor dem Lebensentwurf und dem Mut von Frau von der Leyen, sich als siebenfache Mutter in diesem herausgehobenen Amt zu engagieren.“

Auch Martina Münch hat den Mut, sieben Kinder (2 bis 14 Jahre) und Karriere zu vereinbaren. Dabei unterstützen sie Ehemann Jürgen (Klinikarzt) und eine Haushaltshilfe.Für die Kinder mußten die Münchs das Haus anbauen und sich einen Mercedes Vito (Transporter mit drei Sitzbänken und neun Plätzen) anschaffen. Der reicht so eben für den Familienausflug: „Noch ein Kind mehr, und ich hätte den Busführerschein machen müssen“, erzählt Martina Münch und lacht.

Kommt es bald zu einem Treffen der Super-Mütter von CDU und SPD? Münch: „Ich würde Frau von der Leyen gern mal kennenlernen. Besonders interessiert mich, ob sie sich in ihrer jetzigen Position wohl fühlt, und ob sie sich – auch mit Blick auf die Kinder – noch einmal so entscheiden würde.“ Privat zumindest will Martina Münch die Familienministerin nicht übertreffen: Ein achtes Kind ist nicht geplant.

Autor: Roman Eichinger
Quelle: http://www.bild.de/BTO/news/aktuell/2006/06/18/marina-muench-supermama/marina-muench-supermama-spd.html




Siebenfache Mutter, Ärztin, Politikerin.

(Portrait in der Berliner Morgenpost, 18.05.2006)
  

Martina Münch ist die Ursula von der Leyen der märkischen SPD.

Potsdam. Der Vergleich mit Ursula von der Leyen drängt sich förmlich auf. Die 44jährige Landtagsabgeordnete Martina Münch aus Cottbus ist wie die CDU- Bundesfamilienministerin Ärztin, Politikerin - und Mutter von sieben Kindern. Von der Leyen hat mit ihrer Großfamilie eine beachtliche Karriere hingelegt, die Gesundheitsexpertin in der SPD- Landtagsfraktion baut ihre politische Karriere gerade aus. Ministerpräsident Matthias Platzeck will Martina Münch am 1. Juli zu einer seiner Stellvertreterinnen an der Spitze der Landespartei wählen lassen. Damit rückt die gebürtige Baden- Württembergerin, die 2004 ihr Mandat in der Lausitz direkt gewonnen hat, als einzige West- Frau in die Führungsriege der Brandenburger SPD auf.

Martina Münch macht schnell deutlich, daß sie mit von der Leyen nicht unbedingt viel gemeinsam hat. Das beginnt beim Parteibuch und endet bei ihrer Auffassung über den Umgang mit der Öffentlichkeit. Sozialdemokratische Familienpolitik ist für Münch "Chancengerechtigkeit für alle Kinder". Die Union hingegen bediene vor allem ihre Mittelstandsklientel.

Sie kritisiert von der Leyen auch persönlich. "Ich finde es nicht glücklich, wie sie ihre Familie und ihre Kinder für ihre Zwecke im Beruf instrumentalisiert." Martina Münch hingegen will ihre Mutterrolle nicht freiwillig herausstellen.

Daß Familienpolitik endlich nicht mehr nur Privatsache ist, begrüßt sie allerdings. "Ich bin froh, daß Matthias Platzeck auch im Bund die Familienpolitik ganz vorne auf die Tagesordnung gesetzt hat", sagt Münch. Sie muß aber auch einräumen, daß Familienpolitik an finanzielle Grenzen stößt - auch in Brandenburg. In ihrem Entwurf zur familienpolitischen Offensive haben die SPD- Minister Dagmar Ziegler (Soziales) und Holger Rupprecht (Bildung) unlängst millionenschwere Abstriche hinnehmen müssen. "Geld ist nicht alles", sagt Münch. "Geld ist aber auch wichtig." Langfristiges Ziel müsse es daher sein, den Rechtsanspruch auf einen Kita- Platz in Brandenburg wieder auf alle Kinder auszuweiten.

Was führt die West- Frau aus Baden, die in Heidelberg und Hamburg sowie in den USA und Großbritannien studiert hat, in die Lausitz? Ihren Mann zog es als Arzt 1994 beruflich nach Cottbus. Die promovierte Ärztin, die am Virchow- Klinikum in Berlin gearbeitet hatte, war während des Umzugs mit ihrem dritten Kind schwanger. 1998 wurde sie - wieder hochschwanger - zur Stadtverordneten in Cottbus gewählt. Damit begann ihre politische Karriere in Brandenburg.

Ein schlechtes Gewissen hat Martina Münch nicht, weil sie nicht den ganzen Tag für die Kinder da ist. "Meine Kinder geben mir Kraft für den Beruf und der Beruf schenkt mir Kraft für die Kinder." Ihr Jüngster, Felix, ist zwei Jahre alt. Mit einer Hilfe für den Haushalt und guten Absprachen mit ihrem Mann lasse sich der Alltag gut bewältigen, sagt sie. "Natürlich ruft auch mal während einer Sitzung ein weinendes Kind an, das den Fahrradschlüssel verloren hat." Nennenswerte Probleme in der Schule gebe es glücklicherweise nicht.

Ihr Ältester ist mit 14 Jahren bereits in der zehnten Klasse. Er hat eine Klasse in der Grundschule übersprungen. An seinem Gymnasium besucht der begabte Junge eine Schnelläuferklasse, die von Klasse 5 bis 12 zum Abitur führt. Die designierte Vize- Landeschefin der SPD entschied sich damit für das in der Koalition ausgehandelte Modell der CDU. Die sozialdemokratische Variante sieht ein verkürztes sechsjähriges Gymnasium nach sechs Jahren Grundschule vor.

Bildunterschrift: "Meine Kinder geben mir Kraft für den Beruf."
Autorin:
Gudrun Mallwitz
Quelle: http://www.welt.de/print-welt/article218103/Siebenfache_Mutter_Aerztin_Politikerin.html  




Sieben Kinder, aber SPD

(Portrait in der Berliner Zeitung, 18.02.2006)
  

Wie die Bundesfamilienministerin ist Martina Münch Mutter und Politikerin

COTTBUS. Jeder kennt die ewig lächelnde Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, die sich gerne mit ihren sieben Kindern, dem dazugehörigen Mann und zahlreichen Haustieren fotografieren lässt. Die promovierte Medizinerin sieht sich als Modell für Deutschland: Kindererziehung und Beruf sind durchaus miteinander zu vereinbaren, so lautet das Signal.

Doch auch das Land Brandenburg hat gewissermaßen eine Ursula von der Leyen. Sie heißt Martina Münch, sie hat ebenfalls sieben Kinder und ist gleichfalls Politikerin, nämlich SPD-Landtagsabgeordnete. Aber die 44-Jährige, auch promoviert in Medizin, präsentiert sich nicht als siebenfache Mutter. Man muss sie bitten, aus ihrem Großfamilienleben zu erzählen.Fünf Söhne und zwei Töchter im Alter von zwei bis vierzehn Jahren halten Martina Münch und ihren Ehemann, einen Arzt, ganz schön auf Trab. Am Haus in Cottbus musste bereits angebaut werden; die Familie fährt einen großen Mercedes "Vito" mit drei Sitzbänken und es müssen eine Haushaltshilfe sowie Babysitterin bezahlt werden."

Eigentlich wollte ich ja wissenschaftliche Karriere machen", sagt Martina Münch. Doch dann wurde sie schwanger - gleich nach ihrer Promotion über Hirnstrukturveränderungen bei Schizophrenen. Und es stellte sich bald weiterer Nachwuchs ein. "Nach jeder Geburt habe ich gedacht, es wäre schön, wenn dies nicht die letzte wäre", sagt Martina Münch. Die Familie zog nach Cottbus. "Dort habe ich erst einmal pausiert", sagt sie. Doch dann reichte ihr das nicht mehr. "Eine Frau sollte sich nicht auflösen in der Strukturlosigkeit der Familie." Hochschwanger wurde sie in das Cottbuser Stadtparlament gewählt. Ihre politische Begabung fiel auf, seit 2004 sitzt sie als gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag.Sie arbeitet viel. "Familie und Beruf sind gut miteinander vereinbar, weil zum Beispiel frustrierende Erlebnisse im Beruf durch das Familienleben kompensiert werden können", sagt sie.

Wie vor ein paar Wochen, als Rechtsradikale die Fensterscheiben ihres Bürgerbüros in Cottbus mit Steinen einwarfen - offenbar weil im Fenster ein Plakat gegen Rechtsextremismus hing.Martina Münch wirbt für berufstätige Mütter: "Sie sind effizient, weil die Zeit immer knapp ist und zu Hause die Kinder warten, und sie stecken sich realistische Ziele."Eine Frau wie Martina Münch würden viele wohl eher in der konservativen CDU suchen. Ihr Lebensentwurf sei nicht "ur-sozialdemokratisch", gibt die Cottbuser Abgeordnete zu. Da sei eine alleinerziehende Mutter viel exemplarischer. Aber die SPD, der sie schon als Jugendliche beigetreten ist, habe ihr Verhältnis zur Familie geändert. "In den 70er- und 80er-Jahren wirkte sich der Feminismus auch in der SPD nicht familienfreundlich aus", sagt sie.

"Jetzt erfahre ich eine ganz andere Wertschätzung." Entscheidend sei, dass sich die Rolle des Mannes stark verändert habe und Frauen trotz Familie berufstätig sind. "Ich bin keine Rabenmutter, aber auch nicht spießig", sagt Münch, die in Baden aufgewachsen ist. Ihr Ehemann werde ganz schön in die Pflicht genommen. "Außerdem bin ich dankbar, dass ich das breite Kita-Angebot im Osten nutzen konnte." Im Westen hätte sie nicht so einfach wieder arbeiten können, sagt die Frau, die sich mit sehr starkem Kaffee wach hält. Martina Münch würde Ursula von der Leyen, die lächelnde Bundesministerin, gerne einmal persönlich kennen lernen. "Ich verstehe ihre Motivation. Sie will Familie positiv ins öffentliche Bild rücken", sagt Martina Münch, von der es keine Familienbilder in Hochglanz-Zeitschriften gibt. "Ich bin der Meinung, dass die Familie vor zu viel Öffentlichkeit geschützt werden muss."

Foto : Martina Münch mit Foto ihrer Kinder
Autor: Martin Klesmann
Quelle: https://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/0218/brandenburg/0042/index.html 

 




Die rote Super-Mutti

(
Portrait in Cicero, August 2006)

Die CDU hat Ursula von der Leyen, die Sozialdemokraten haben Martina Münch. Noch nie gehört? Das könnte sich ändern, die Mutter von sieben Kindern gilt als großes politisches Talent in der Brandenburger SPD

Natürlich schmeichelt Martina Münch dieser Vergleich, auch wenn sie von den ständigen Nachfragen inzwischen genervt ist. „Ich kenne diese Frau nicht persönlich“, sagt sie, „Zufall“ seien die vielen biografischen Übereinstimmungen. Doch dann sagt die 44jährige Sozialdemokratin aus dem brandenburgischen Cottbus, sie würde gerne einmal mit der Bundesfamilienministerin und CDU-Politikerin Ursula von der Leyen diskutieren. Wäre doch spannend, so ein Erfahrungsaustausch, so ein Streitgespräch, zwischen zwei Supermüttern und Politikerinnen. Denn die Parallelen in den Biografien von Martina Münch und Ursula von der Leyen sind erstaunlich: Beider Väter waren Politiker, beide Frauen sind Medizinerinnen, beide haben sieben Kinder und beide versuchen den Beweis anzutreten, dass sich Familie und Beruf, viele Kinder und eine politische Karriere nicht ausschließen.

Dabei steht der politische Aufstieg von Martina Münch erst am Anfang. Sie ist seit zwei Jahren Landtagsabgeordnete in Brandenburg und seit ein paar Wochen stellvertretende Landesvorsitzende. Im Herbst will sie in Cottbus für das Amt der Oberbürgermeisterin kandidieren. Aber Martina Münch lässt keinen Zweifel daran, dass sie mehr kann als Kommunalpolitik. „Mich interessieren die großen Linien in der Politik“, sagt sie und das sind für sie zum Beispiel Kinderbetreuung, Familienförderung und Chancengerechtigkeit. Man wird noch von ihr hören.

Die SPD hat die Familie entdeckt. Die Idee stammt von Matthias Platzeck. Viele SPD-Frauen waren ziemlich verwundert, als Platzeck noch als Parteichef plötzlich vom Kinderglück sprach und von einer modernen Bevölkerungspolitik und nicht länger von Gleichberechtigung und Frauenförderung. Zurück in Brandenburg setzt er diesen Kurs nun fort, fast muss man den Verdacht haben, dass Matthias Platzeck zum Landesparteitag im Juli erst den Leitantrag „Zukunft sichern – Familien stärken – Kinder fördern“ geschrieben hat, bevor er sich eine passende Kandidatin als Stellvertreterin suchte und deshalb Martina Münch fragte.

Sie wollte, wurde gewählt und muss sich noch daran gewöhnen. Denn bislang waren es andere Frauen, die in der SPD Karriere machten: Powerfrauen, wie Herta Däubler-Gmelin, die sich in der männerdominierten Partei ihren Platz erkämpften und ihre Kinder von der Großmutter aufziehen ließen, sowie kinderlose Feministinnen, wie Heidi Wieczorek-Zeul. Eine Powermutter war bislang nicht darunter, und deshalb spricht Martina Münch auch von einem „Paradigmenwechsel“.

Nicht, dass Martina Münch der Feminismus fremd wäre, schließlich entstammt sie jener Generation in Westdeutschland, die damit aufgewachsen ist. Schon mit 17 Jahren trat sie 1978 in Mannheim in die SPD ein, inspiriert wurde sie durch ihren Vater, einem langjährigen Landtagsabgeordneten. Sie hat in Deutschland und den USA Medizin studiert, als Neurologin in Berlin über Multiple Sklerose geforscht und stand vor einer wissenschaftlichen Karriere, doch dann kamen die ersten Kinder sowie der Traumjob für den Gatten in Cottbus. Statt an der Universität begann Martina Münch also eine Karriere in der ostdeutschen Kommunalpolitik und wurde schnell Landtagsabgeordnete. In einem Land wie Brandenburg, in dem die sozialdemokratische Parteibasis klein ist und Talente dünn gesät, da brauchen diese keine Ochsentour durch die Partei zu machen, um aufzusteigen, da reicht ein Anruf des Landesvorsitzenden. Die Powermutter war aufgefallen.

Doch Martina Münch sagt, sie wolle „keine Supermammi“ sein, auch wolle sie die Kinder nicht ständig in den Medien vorzeigen. Und doch kann sie stundenlang von ihrem Mütterglück erzählen, aber auch von den kleinen Nöten ihrer Kinder, von den mittleren Katastrophen und dem häufigen Terminstress, manchmal könne dieser sogar richtig „ätzend“ sein. Ihr Mann unterstützt sie, soweit es der Kardiologe und Chefarzt am Herzzentrum eben kann. Wenn beide beruflich unterwegs sind, passt ein Kindermädchen auf den Nachwuchs auf. Und Martina Münch lobt den Osten, wo es ausreichend Kinderbetreuungsplätze gibt, nur so seien Beruf und Familie vereinbar. In ihrer Heimat Baden-Württemberg, „da wäre das nicht möglich“. „Im Westen wäre ich eine Rabenmuter“, weil ich schon den Einjährigen in die Krippe schicke, sagt sie. „Hier im Osten ist es der Normalfall.“

Und schon ist Martina Münch wieder bei den großen Linien. Sie schimpft über das konservative Familienbild der Union, das nur rückwärts gewandte Fürsorge biete und sie kritisiert Ursula von der Leyens Elterngeld, das die sozial Schwachen benachteilige. Es gäbe also viel zu diskutieren zwischen den beiden siebenfachen Müttern. Wenn Martina Münch weiter Karriere macht, werden sie sich wohl bald über den Weg laufen.

Autor: Christoph Seils (Politologe und freier Journalist)
Quelle: http://www.cicero.de/97.php?item=1250&ress_id=6

 
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